Gudrun Anders - ganzheitliche Unternehmensberatung

Leben und arbeiten - im Einklang mit dir und der Natur!

 

Wie das Schreiben einst bei mir begann

An das Jahr 1986 werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern. Es war für mich ein Jahr der vollständigen Wandlung. Es war das Jahr meiner größten Lebenskrise. Ich war damals gerade 25 Jahre alt und viele Leute würden behaupten, ich sei in der Blüte meiner Jahre gewesen. Weit gefehlt. Zumindest für mich. Ich quälte mich mit verschiedenen Krankheiten herum, meine Eltern waren gerade ins Rentenalter gekommen und konnten nicht verkraften, daß sie jetzt viel Zeit – zu viel Zeit - hatten. Mein damaliger Job hing mir zum Halse heraus, meine angeblichen Freunde hatte ich gründlich satt und zu allem Überfluss stellte mein Frauenarzt bei mir die Diagnose Gebärmutterhalskrebs. 

Mein Freund verließ mich, weil er meinte, ich könne jetzt keine Kinder mehr zur Welt bringen und ich hatte Schulden bis über beide Ohren, weil ich mir gerade meine neue Wohnung eingerichtet hatte. Jeden Tag lief ich mit irrsinnigen Kopfschmerzen durch die Gegend, schluckte Valium zur Beruhigung und wollte mit niemand mehr etwas zu tun haben. Ich kündigte meinen Job, den ich nicht mehr ertragen konnte, und machte mich mit einem kleinen Laden selbständig, den ich drei Monate später mangels Einnahmen wieder schließen musste. 

Meine Welt drohte gänzlich aus den Fugen zu geraten. Um überhaupt zu Geld zu kommen, nahm ich einen Job im Versicherungsaußendienst an und setzte mich der Tortur des Haustürverkaufens aus, was meinen ohnehin angeschlagenen Nerven noch das I-Tüpfelchen oben drauf setzte. Meine Mutter war zwischenzeitlich Dauergast in einer psychiatrischen Klinik geworden und wurde kurz darauf im Alter von 63 Jahren mit der Diagnose Alzheimer ins Altenheim gebracht. Mein Vater hatte Depressionen und schob mir die Verantwortung dafür zu, weil ich mich zu wenig um ihn kümmerte.

In mehr als einer Nacht weinte ich mir in der Dunkelheit die Augen aus dem Kopf und versuchte am nächsten Morgen mit kühlenden Umschlägen die Spuren der durchweinten Nacht zu verwischen. Ich war am Ende meiner Kräfte und überlegte mir täglich, wie ich am besten aus diesem Leben verschwinden könnte, am liebsten, ohne irgendwelche sichtbaren Spuren in meinem Umfeld zu hinterlassen.

Eines Tages saß ich in meinem Büro und versuchte mich auf die ungeliebte Buchhaltung zu konzentrieren. Aber mein Blick suchte immer wieder das Leere, wanderte ziellos über die Hausdächer und Wiesen davon. Auf einmal sah ich einen Engel über die Wiese fliegen und zwickte mich in den Arm, weil ich meinen eigenen Augen nicht mehr traute. 

Der Schmerz im Arm verflog, dass Bild des Engels aber blieb. So starrte ich weiter geradeaus und verfolgte, was der Engel dort machte, konnte aber immer noch nicht glauben, was ich da sah.Der Engel flog zu einem Moorgebiet - das es in der Realität gar nicht geben konnte, denn Moore gab es in meiner Gegend weit und breit nicht - und zeigte mir ein Wesen, das drohte, im Moor zu versinken.

Ich kniff die Augen zusammen und schüttelte meinen Kopf, so als ob ich damit die Bilder vertreiben wollte. Als ich die Augen wieder öffnete, war der Engel verschwunden. Ich atmete auf und wollte mich wieder meiner Arbeit zuwenden, als eine mir unbekannte Stimme zu mir sagte: „Schreib‘!“. 

Erschrocken drehte ich mich um, aber es war niemand da. Ich wusste auch nicht, was ich hätte schreiben sollen und hatte auch keine Lust dazu, also nahm ich einen Stift zur Hand und wollte meine Buchhaltung weiter bearbeiten.

„Schreib’ auf, was du gesehen hast!“ sagte die Stimme - wo kam sie bloß her? - hinter mir jetzt etwas eindringlicher. „Nein,“ antwortete ich laut, obwohl ich mich selbst für verrückt erklärte, weil ich mit jemandem redete, der gar nicht da war und untersuchte vorsichtshalber alle Schränke, um sicher zu gehen, dass niemand einen Scherz mit mir trieb.

„Du schreibst jetzt!“ sagte diese Stimme dann mit so einer Kraft, dass ich es mit der Angst zu tun bekam. Ich wollte fliehen, aber das war nicht möglich. Eine unsichtbare Kraft legte sich auf meinen Arm und drehte meinen Sessel in Richtung Schreibmaschine um.

 Meine linke Hand wurde zur Schreibtischschublade geführt und ich sah, wie ich ein weißes Blatt Papier aus der Lade nahm und in die Schreibmaschine einspannte. Ungewollt tippte ich die Worte „Es war einmal...“ auf das Papier und wurde erst wieder „wach“, nachdem ich einige Seiten beschrieben hatte. Später las ich, was ich gerade geschrieben hatte:

Es war einmal an einem wunderschönen Frühlingsvormittag, als ein kleines Engelchen in mein Gebiet kam. Es sah niedlich und friedfertig aus. Es hatte ein feines Kleidchen aus reiner, weißer Seide an. Nackt waren seine Füße, aber an diesem Tag schien die Sonne und so störte das nicht weiter. Es hatte lockiges Haar, das sacht über seine Schulterchen floss und in der Sonne schimmerte, als sei es golden.

Aber als ich näher hinsah, entdeckte ich einen traurigen Blick auf dem Gesicht des kleinen Engels. Also war ich aufgerufen, hier zu helfen. Ich konnte aber nur helfen, wenn der Kopf des Engelchens auf Empfang geschaltet war, sonst waren alle meine Bemühungen vergebens. Also probierte ich es. 

„Hallo, Engelchen, hörst du mich? Kannst du mich verstehen? Hallo, bitte hör’ mich doch! Hallo, Engel, bitte antworte mir. Ich möchte dir helfen!“ Aber so sehr ich mich auch bemühte, es hörte mich nicht. Es war so sehr mit sich selbst beschäftigt, daß es mich nicht mehr wahr nahm und was um es herum passierte. Es war nicht mehr offen für die natürlichsten und selbstverständlichsten Dinge auf dieser schönen Erde. Und wenn selbst ich nicht durchkommen konnte, wer sollte es dann sonst schaffen?

Verzweifelt grübelte ich, wie ich dem Engelchen helfen konnte, aber noch war mir keine Lösung eingefallen. Nur eines wußte ich: In diesem Territorium gab es Sümpfe und Moore des Übels und des Grauens, aus denen es kein Entrinnen mehr gab, wenn man sich erstmal darin verstrickt hatte, aus eigener Kraft sich nicht hinaus winden konnte und - und das ist das Wichtigste von allem - wenn man mich nicht zu sich ließ.   [ .... ]


Dieser Text ist ein Auszug aus meinem Buch "Märchen helfen heilen".


 

Schreib-Therapie - Lassen Sie Ihrer Seele Flügel wachsen ...


Märchen geben uns individuelle Lösungen für unsere individuellen Probleme.

Einem selbst geschriebenen Märchen kann eine bestimmte Fragestellung zugrunde liegen. Sie können zum Beispiel fragen, warum sie gerade Schwierigkeiten mit ihrem Partner haben und dazu dann ein Märchen schreiben, dass Ihnen auf symbolische Art und Weise die Lösung für ihr ganz spezielles Problem frei Haus liefern wird - ohne Kosten, ohne Therapeut und niemand außer ihnen wir je erfahren, wie sie auf diese kreative Lösung ihres Konfliktes gekommen sind.

Wir lassen unserer Phantasie wieder einmal freien Lauf.

Während Kinder noch sehr häufig in ihrer Traum- und Phantasiewelt leben, haben wir
Erwachsenen uns diese Welt verboten und stattdessen unserem Verstand die Herrschaft überlassen. Es tut aber gelegentlich gut, einfach einmal in Träumen und Phantasien zu schwelgen, um Abstand von der vielleicht erdrückenden Dunkelheit des Alltags zu gewinnen. Märchen sind dafür einfach ideal, denn mit dem Schreiben eines Märchens verbinden Sie Entspannung mit Vergnügen und werden ganz nebenbei auch ein bisschen menschlicher und kreativer.

Mit dem Schreiben von Märchen schöpfen wir wieder Mut und Hoffnung auf positive Veränderungen.

Märchen haben immer ein gutes Ende. Wenn Sie ein Märchen schreiben, müssen sie sich also ein positives, von ihnen erwünschtes Ende ausdenken. Auch in scheinbar ausweglosen Situationen können sie so eine Lösung herbeiführen. Auch wenn ihr Verstand das dann vielleicht nicht akzeptieren kann oder will: diese symbolische Lösung ist auch die Lösung im Alltag.

Ein Märchen, das zu einem bestimmten Problem geschrieben wurde, kann ihnen also die Botschaft bringen, dass noch nicht alles verloren ist. Ihre Märchenfigur hat eine Lösung, einen Ausweg gefunden - warum sollten sie in ihrem Leben keine finden? Sie sind die Märchenfigur - nur mit dem Unterschied, dass ihnen ihr Verstand die Lösung komplizierter erscheinen lässt, als sie in Wirklichkeit ist. Schreiben Sie und sie gewinnen Vertrauen in Ihre Kräfte und die mögliche Lösung ist ihnen viel näher, als sie glauben.

Wir können lernen, wieder unsere Gefühle zuzulassen und zu zeigen.

Indem wir Märchen schreiben, können wir ungestraft unseren Emotionen freien Lauf lassen. Wir können fluchen, schimpfen, zornig sein, aber auch unsere Liebe und unsere Trauer ausdrücken, ohne dafür den anderen Menschen, den es vielleicht ebenfalls betrifft, die Dinge direkt ins Gesicht sagen zu müssen, was unsere Angst und unsere Scham auch vielleicht nicht zugelassen hätten. Aber einmal ausgedrückte bzw. niedergeschriebene Emotionen verlieren nach und nach an Gewicht und es wird immer leichter, das zu sagen, was wir eigentlich ausdrücken müssen, ohne um den heißen Brei herumzuschleichen.

Es tut einfach gut, einen Bösewicht zu beschreiben, der alle Menschen hasst und niedermachen will und seine oft wundersame Wandlung zu einem freundlichen, liebenswerten Menschen zu verfolgen. Genauso gut tut es, wenn ein Königssohn einer Königstochter endlich nach vielen Verirrungen seine Liebe gesteht und voller Inbrunst ein Liebesgeständnis zu Papier gebracht wird.

In jedem von uns schlummern viele dieser Gefühle und sie auszudrücken, bedeutet, sich ein bisschen mehr damit identifizieren zu können, sie mehr zu einem akzeptierten Teil werden zu lassen, dessen wir uns nicht schämen müssen, denn alle Gefühle sind gleich gut und gleich menschlich.

Wir können auf diese Weise unsere Ängste und / oder Aggressionen, aber auch Trauer und Wut abbauen und verarbeiten.

Ich glaube, niemand von uns hat es gern, wenn er von einem anderen Menschen eine emotionale Dusche verabreicht bekommt. Passiert das aber doch, stehen wir anschließend wie begossene Pudel dumm herum und das Ende vom Lied ist dann nur, dass wir uns ein Stückchen weiter in unser Schneckenhaus verkriechen.

Das muss aber nicht sein. Wir können unsere Verletztheit zu Papier bringen und damit unseren emotionalen Stau, der uns früher oder später krank machen würde, begegnen. Wir können lernen, den Hintergrund der Emotionen zu erfahren und uns für uns entscheiden lernen, so dass wir die Situation mit nicht ganz so viel emotionalem Müll im Herzen neu anpacken und regeln können.

In der Regel sind Ängste nur Herausforderungen an uns, etwas anders zumachen. Wut zeigt uns, dass wir selbstsicherer werden können und Trauer zeigt uns, dass wir in das Hier und Jetzt zurückkehren müssen. Emotionen in Märchen zu verarbeiten ist meiner Ansicht nach eine der einfachsten und dennoch wirkungsvollsten Methoden der Selbsttherapie.

Wir fühlen uns nach dem Märchenschreiben lebendiger, froher und gelöster.

Sie kennen vielleicht das befreiende Gefühl, wenn sie Aufgabe bewältigt, ein lange währendes Problem endlich gelöst haben. Dieses Gefühl stellt sich auch sehr häufig nach dem Schreiben eines Märchens ein. Sie haben etwas geleistet, dass aber keine harte Arbeit war, sondern „nur“ ein entspannendes Stündchen.

Sie sind vielleicht über ihren eigenen Schatten gesprungen, haben im Märchen gekämpft oder Erkenntnisse gewonnen - und sind jetzt reicher an Erfahrungen als zuvor! Dadurch fühlen sie sich freier, entspannter, werden froher und lebendiger. Und mit jedem Märchen ein Stückchen mehr.

Wir geben unserer Kreativität mehr Ausdruck.

Märchenschreiben befreit und entlastet unser Inneres und dadurch können wir uns selbst mehr Raum geben, aus der selbst geschaffenen Enge der Angst heraustreten und uns und unseres eigentlichen Wesenskern mehr Ausdruck verleihen. Das ist der Weg in die Kreativität, wo sich neue Möglichkeiten und Wege für uns eröffnen, die uns vielleicht sonst verschlossen geblieben wären.

Märchen können uns in unsere eigene Tiefe führen - zu uns selbst!

Märchen bleiben niemals an der Oberfläche des Seins, sondern dringen bis in die tiefsten und dunkelsten Schichten unseres Wesens vor. Sie zeigen uns tief in uns einen oftmals verborgenen Schatz, den wir mit an die Oberfläche bringen können - es sind die Schätze des wahren Gefühls, der Einheit, der Weisheit und Geborgenheit und des Urvertrauens in den immerwährenden Prozess des Lebens.

Die eigene Tiefe zu entdecken kann uns zu einem weisen und aufrichtigen Menschen machen, der wir nie geworden wären, wenn wir nur die Spiegelbilder der Oberfläche betrachten würden. Um uns selbst auf den Grund zu gehen, bedarf es eines Tauchkurses in die Tiefenschichten unseres Bewusstseins, die mit Märchen auf sanfte und harmonische Weise zu erreichen sind. Märchen helfen uns, gefahrlos ins Unbewusste abzutauchen, um erfrischt und um einen gewaltigen Schatz reicher wieder aufzutauchen!

Märchen helfen uns, Probleme zu lösen, bei denen wir aus dem logischen Denken heraus keine befriedigende Lösung gefunden haben.

Wie oft haben sie schon tagelang über ein bestimmtes Thema nachgedacht, immer wieder gegrübelt und sind daran fast verzweifelt? Wie oft haben sich ihre Gedanken in einem Teufelskreis gedreht, aus dem ein entrinnen schier unmöglich schien?

Sie haben in diesen Fällen zur Problemlösung vergessen, die rechte Gehirnhälfte in den Lösungsprozess mit einzubeziehen. Das entrinnen aus diesem Teufelskreis ist durch das Schreiben eines Märchens möglich. Und auch dann, wenn der Verstand über die im Märchen vorgeschlagene Lösung noch so unzufrieden sein wird, es ist das Einfachste, dem aufgezeigten Weg zu folgen und sehr schnell eine Veränderung der Lebensumstände zu erzielen.

Wir können durch Märchen unseren Kindern wieder näher kommen.

Wenn Sie ihren Kindern ihre selbst geschriebenen Märchen oder Kurzgeschichten vorlesen, erleben die Kinder einen Teil von ihnen, von ihren Sorgen und Ängsten und lernen sie auf der symbolhaften Ebene besser verstehen. So können sie wahre Gefühle vermitteln und überbringen und werden eher verstanden, als wenn sie versuchen, einem Kind mit Worten oder Fakten versuchen etwas klarzumachen.
Ihre Kinder werden es Ihnen danken. Ich hatte einmal einen Mann in einem meiner
Seminare, der nach Besuch des Seminars seinem achtjährigen Sohn, mit dem er sonst vielerlei Probleme hatte, Märchen erzählte. Nach ein paar Wochen waren die beiden ein unzertrennliches Team!

Mit dem Märchenschreiben ist eine therapeutische Wirkung verbunden.

Märchenschreiben geht nicht spurlos an uns vorbei. Wir sagten, dass wir in unsere eigene Tiefe finden, zu unserer inneren Weisheit zurück kehren können - und indem wir dieses Potential wieder zulassen, helfen wir uns selbst. Wir integrieren Teile von uns, die wir nicht sehen oder nicht wahr haben wollten – das ist Therapie. Märchenschreiben ist also eine Selbsttherapie, bei der sie noch nicht einmal einen Therapeuten brauchten. Ihr bester Therapeut sind sie selbst, denn niemand außer Ihnen kann jemals so viel über ihr Inneres sagen, wie sie selbst.

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Dieser Text ist ein Auszug aus meinem Buch "Märchen helfen heilen".